Krisenkommunikation

Fotosession Vinavant AG, Januar 2025. Foto: Mattias Nutt
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Krisenkommunikation unter Druck: Was der Fall Fischer lehrt – und warum «off the record» ein Mythos ist

Krisen entstehen selten aus dem Nichts. Sie entwickeln sich im Verborgenen – und eskalieren meist dann, wenn Kontrolle verloren geht. Der aktuelle Fall rund um den Schweizer Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer ist dafür ein lehrbuchartiges Beispiel – und zugleich eine eindrückliche Bestätigung dessen, was wir in unseren Medientrainings längst vermitteln.

Wie Recherchen von SRF zeigen, reiste Fischer 2022 mit einem gefälschten Covid-Zertifikat an die Olympischen Spiele und wurde später verurteilt. Brisant: Die Affäre wurde nicht aktiv offengelegt, sondern kam ins Rollen, nachdem Fischer die Tat in einem persönlichen Gespräch erwähnte – mit einem Journalisten am Tisch.

Was als vermeintlich vertraulicher Austausch gedacht war, entwickelte sich zur Ausgangslage einer nationalen Reputationskrise.

Hinzu kommt: Frühere öffentliche Aussagen standen im Widerspruch zu den tatsächlichen Ereignissen. Die Folge war nicht nur Kritik am Fehlverhalten, sondern ein substanzieller Vertrauensverlust.

 

Der blinde Fleck: «Off the record» existiert faktisch nicht

In unseren Medientrainings sagen wir es bewusst zugespitzt: «Off the record» ist kein Schutzraum – sondern ein Risiko.

Der Fall illustriert das exemplarisch:

  • Aussagen in informellen Settings können jederzeit in einen journalistischen Kontext überführt werden
  • Selbst wenn Abmachungen bestehen, bleibt Interpretationsspielraum
  • Drittpersonen, Dynamiken oder spätere Entwicklungen können Inhalte öffentlich machen

Die Realität: Wer kommuniziert, kommuniziert immer potenziell öffentlich.

Gerade Führungspersonen unterschätzen häufig, dass nicht nur Interviews, sondern auch Hintergrundgespräche, Mittagessen oder scheinbar private Gespräche Teil der öffentlichen Wahrnehmung werden können.

 

Was gute Krisenkommunikation auszeichnet

Professionelle Krisenkommunikation folgt klaren Prinzipien – unabhängig von Branche oder Fall:

Schnelligkeit und Transparenz
Frühzeitige Kommunikation sichert Handlungsspielraum.

Verantwortungsübernahme
Klare, unmissverständliche Haltung statt taktischer Relativierung.

Konsistenz
Eine Linie – über alle Kanäle und Zeitpunkte hinweg.

Empathie
Fokus auf Wirkung und Betroffene, nicht auf Selbstverteidigung.

Strategische Vorbereitung
Szenarien antizipieren, bevor sie Realität werden.

 

Unsere Perspektive: Krisenkommunikation ist Führungsdisziplin

In unserer Arbeit sehen wir immer wieder: Organisationen scheitern selten am Ereignis selbst – sondern am Umgang damit.

Deshalb setzen wir konsequent auf drei Ebenen:

  1. Prävention statt Reaktion
    Wir identifizieren Reputationsrisiken frühzeitig und entwickeln robuste Szenarien. Krisen beginnen nicht im Medienraum – sondern in der Organisation.
  1. Medientraining mit Realitätsbezug
    Wir trainieren nicht nur Interviewsituationen, sondern auch informelle Settings: Hintergrundgespräche, Panels, Networking, «zufällige» Begegnungen.Unser Grundsatz: Jede Aussage ist potenziell öffentlich.
  1. Narrative Kontrolle im Ernstfall
    Im Krisenfall geht es nicht nur um Inhalte, sondern um Timing, Dramaturgie und Kontext.
    Wir helfen Organisationen, die eigene Geschichte glaubwürdig und führend zu erzählen.

 

Drei Lehren für Entscheidungsträger

Der Fall lässt sich auf eine klare Essenz verdichten:

  1. Es gibt keine privaten Aussagen im öffentlichen Kontext
    Wer exponiert ist, steht immer unter Beobachtung – auch am Mittagstisch.
  1. Wahrheit kommt immer ans Licht – die Frage ist nur wann
    Und ob man vorbereitet ist, wenn es passiert.
  1. Vertrauen ist die zentrale Währung
    Es entsteht über Jahre – und kann in wenigen Stunden beschädigt werden.

Der Fall zeigt mit seltener Klarheit: Nicht der Fehler allein definiert die Krise – sondern der kommunikative Umgang damit.

Für uns als Kommunikationsberater ist das keine theoretische Erkenntnis, sondern tägliche Praxis: Krisenkommunikation entscheidet darüber, ob Organisationen die Kontrolle behalten – oder verlieren.

Wer in der Krise bestehen will, muss vorher trainieren. Wir unterstützen Sie dabei.

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