Wenn KI antwortet, bevor die Website geladen ist
Der IGEM-Digimonitor 2026 zeigt: Künstliche Intelligenz verändert grundlegend, wie Menschen Informationen suchen und bewerten. Für die strategische Kommunikation entsteht damit eine neue Aufgabe: Inhalte müssen nicht nur Menschen erreichen, sondern auch von Suchmaschinen und KI-Systemen richtig verstanden werden.
Wer heute eine Frage stellt, landet immer häufiger zunächst bei einer KI-generierten Antwort. Damit verschiebt sich eine zentrale Machtfrage der Kommunikation: Wer prägt das Bild, das diese Systeme von einem Unternehmen, einer Organisation oder einem Thema vermitteln?
Der IGEM-Digimonitor 2026 macht diese Entwicklung greifbar. Vier von fünf Personen in der Schweiz nutzen bereits KI. Seit 2024 hat sich die Nutzung von 40 auf 80 Prozent verdoppelt. 77 Prozent verwenden KI-Funktionen innerhalb klassischer Suchmaschinen, 57 Prozent nutzen KI-Plattformen gezielt für Recherchen. Selbst bei der Einkaufsberatung liegen KI-Plattformen mit 39 Prozent bereits nahezu gleichauf mit YouTube und vor Social Media.
KI ist damit nicht mehr bloss ein Werkzeug zur Textproduktion. Sie wird zur Vermittlerin zwischen Organisationen und Öffentlichkeit.
Kein Kanal verschwindet, aber die Wege zur Information verändern sich
Gleichzeitig bleiben journalistische Medien relevant: 93 Prozent nutzen Nachrichten über Medien-Websites oder Apps, mehr als die Hälfte täglich. Bei den 15- bis 34-Jährigen gewinnt Social Media als Nachrichtenquelle jedoch weiter an Bedeutung. 31 Prozent informieren sich dort täglich über das aktuelle Geschehen, 13 Prozent nutzen soziale Netzwerke sogar als einzige Newsquelle.
Auch die Plattformen entwickeln sich unterschiedlich. Instagram behauptet mit 64 Prozent gelegentlicher Nutzung seine Spitzenposition, während X seit 2024 von 17 auf 10 Prozent zurückgefallen ist. Beim Bewegtbild bestehen klassisches Fernsehen und Streaming nebeneinander, beim Audio hat Streaming das Radio in der täglichen Nutzung bereits überholt.
Das Gesamtbild ist deshalb kein einfacher Wechsel von alten zu neuen Medien. Es ist eine zunehmend fragmentierte Informationslandschaft, in der klassische Medien, soziale Netzwerke, Streaming-Angebote, Suchmaschinen und KI-Systeme gleichzeitig um Aufmerksamkeit ringen.
Fünf Konsequenzen für die strategische Kommunikation
1. Auffindbarkeit muss neu gedacht werden
Klassische Suchmaschinenoptimierung allein reicht nicht mehr. Inhalte müssen so aufgebaut sein, dass auch KI-Systeme zentrale Aussagen erkennen und korrekt einordnen können. Dazu gehören klare Fakten, verständliche Formulierungen, konsistente Begriffe, aktuelle Datumsangaben, aussagekräftige FAQ und verlässliche Originalquellen.
2. Konsistenz wird zum Reputationsschutz
KI-Systeme greifen auf unterschiedliche öffentlich verfügbare Quellen zurück. Widersprüchliche Zahlen, veraltete Informationen oder unklare Positionen können deshalb schneller zu einem verzerrten Gesamtbild führen. Unternehmen und Organisationen benötigen eine verbindliche Informationsarchitektur über Website, Medienarbeit, Publikationen und soziale Netzwerke hinweg.
3. Medienarbeit bleibt ein strategischer Vertrauenshebel
Die hohe Nutzung digitaler Nachrichtenangebote zeigt: Professioneller Journalismus bleibt ein zentraler Teil der öffentlichen Meinungsbildung. Medienarbeit verliert durch KI nicht an Bedeutung. Im Gegenteil: Glaubwürdige Berichterstattung stärkt die öffentliche Einordnung eines Themas und prägt den Informationsraum, auf den auch Such- und KI-Systeme zurückgreifen können.
4. Social Media muss Orientierung bieten
Wenn insbesondere jüngere Menschen Nachrichten direkt im Feed konsumieren, dürfen Social-Media-Inhalte nicht nur Aufmerksamkeit erzeugen. Sie müssen Zusammenhänge verständlich machen, Quellen transparent ausweisen und den Zugang zu vertiefenden Informationen ermöglichen. Gefragt sind kompakte, visuelle und plattformgerechte Formate, ohne komplexe Themen unzulässig zu vereinfachen.
5. Die Kanalwahl muss den Stakeholdern folgen
Hohe Gesamtreichweite bedeutet nicht automatisch hohe strategische Relevanz. Instagram erreicht eine breite Bevölkerung, während Plattformen mit geringerer Reichweite für Politik, Fachöffentlichkeit oder Medien weiterhin bedeutsam sein können. Entscheidend ist deshalb nicht das aktuelle Plattform-Ranking, sondern die Frage: Welche Anspruchsgruppe nutzt welchen Kanal, in welcher Situation und mit welchem Informationsbedürfnis?
Kommunikationshoheit entsteht durch Kohärenz
Der IGEM-Digimonitor 2026 markiert nicht das Ende etablierter Kommunikationswege. Er zeigt vielmehr das Ende einer Kommunikation, die auf einzelne Leitkanäle vertraut.
Kommunikationshoheit entsteht heute dort, wo eine klare und glaubwürdige Position über Medien, Plattformen, Suchmaschinen und KI-generierte Antworten hinweg Bestand hat. Wer sichtbar und vertrauenswürdig bleiben will, braucht deshalb belastbare Inhalte, eine konsequente Themenführung und eine präzise orchestrierte Kanalstrategie.
Möchten Sie Ihre Kommunikation für Menschen, Medien und KI wirkungsvoll ausrichten?
